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Bea Meyer

Cover

2016
65 × 165 × 62 cm
103 × 127 × 50 cm
47 × 124 × 45 cm
58 × 45 × 45 cm
68 × 45 × 45 cm
85 × 95 × 85 cm
71 × 45 × 45 cm
97 × 95 × 95 cm
85 × 45 × 45 cm

Bea Meyer
*1969 Karl-Marx-Stadt
arbeitet und lebt in Leipzig

Form über Form

»Ich weiss natürlich, dass, indem Erinnerung Vergangenes festhält, die Vergangenheit in dieser Form gerinnt.

Unser Auge schafft Land.«

Keith Waldrop

Dieses Zitat ist ein Auszug aus dem Text Die Gestalt der Brücke, des amerikanischen Lyrikers und Übersetzers Keith Waldrop. Er kam mir in den Sinn, als ich versuschte Bea Meyers Arbeit Cover in Sprache zu übersetzen, was naturgemäß misslingen musste. Denn wenn man Worte über Bilder legt, entsteht ein Text, unter dem das Bild noch nicht einmal aufscheint. Der Text aber kann ein Anker sein, ein Erinnerungsanker, um das Bild zurückzuholen als Bild.

Was passiert, wenn Kunst, zumal Skulpturale, sich über Kunst legt, gewissermaßen als Pastiche in drei D? Als Cover, was ja bedeutet, das darübergelegte Werk, soll das umhüllte schützen.

Zum einen bleibt die Kunst vorhanden, als Urgrund sozusagen ihrer selbst. Die Landschaft aber, die sie schon durch ihren ersten Auftritt umgeformt hat und prägte, tritt in eine neue Phase ihrer Existenz ein. Das, was sie war, bleibt nun in der Erinnerung, sie wird zum Spiegel ihrer selbst. Ein Objekt schält sich, indem es bedeckt wird, von neuem heraus. Kunst ist Eingriff. Als Teil einer Realität verändertsie die Realität. Dort wo sie auftaucht, wird nicht wie vorher sein.

Schon wenn wir eine Landschaft nur betrachten, bilden wir sie um, und die Natur, oder das, was wir so zu nennen gewohnt sind, wird zum Garten. Allerdings sind die Spuren; die der Blick legt, paradoxerweise unsichtbar. Dennoch: Betrachtung ist Eingriff. Unser Blick organisiert das, was wir sehen, in Augenschein nehmen. Wir nehmen es! Was uns erscheint, wird RAum für uns. Und dieser ist von Anfang, vom ersten Blick an nicht unberührt. In diesen Raum stellt Kunst sich, stellt sich dar, und mit dem Werk wird der Gedanke installiert, der Das Werk trägt. Dieser Gedanke verändert die Landschaft, macht sie, wennnicht zum Text, so doch zur Textur, macht sie lesbar.

Christoph Schäfer stellte Tische auf und Hocker, verlegte sie in einen anderen Raum. Die Kommunikation, und das, was sonst in den Knatinen und Kneipen fluid die Luft erfüllt, kommt hier zur Ruhe. das Gespräch, die Auseinandersetzung, der Streit wird Bild, eingefroren und möblierte Zeit, die nicht vergeht. Allein sie bleibt fragil. Das was in dnie Landschaft gestellt ist, wird ihr auch ausgesetz, denn wenn Natur in Park verwandelt ist, so bleibt sie doch Natur mit all ihren Unwägbarkeiten, die wir kennen mögen und zuweilen Voraussagen können, die wir aber nicht beherrschen. Und diese Nichtbeherrschbarkeit verlangt den Schutz des Ausgesetzten.

Bea Meyer setzt diesen Schutz in Szene. Sie benutzt Materialien, die der Natur entnommen, zu einem Schutzmantel verwebt sind, der sich über die Objekte legt. Kunst schützt Kunst, und indem sie die vorhandenen Objekte verbirgt, bleibt sie dennoch sichtbar, als Fläche, als Objekt in die Natur sich von neuem einschreiben kann. Natur, die ihrerseits nun in der Kunst eine Spur hinterlässt, aber ohne zu zerstören. Zum Beispiel als Knitter im Stoff.

Jan Kuhlbrodt