Choreographien der Landschaft
Der jour fixe widmet sich in diesem Jahr Choreographien der Landschaft wie sie exemplarisch in der Anlage im Tal erfahrbar werden: Hier begegnet der Gehende der Kunst stets âauf dem Weg", der durch den gestalteten Landschaftsraum – entlang an Bachläufen, durch Gräben und Wälder, über Brücken und Treppen – beschrieben wird. Neigungen und Steigungen verändern den Schritt im Wechsel des Untergrundes von Gras, Waldboden, Holz und Steinen. Hecken und Bäume führen mit dem Blick auch den Körper, geben und nehmen ihm Raum. Der gestaltete Raum der Landschaft legt Wege und Bewegungen des Körpers nahe, begrenzt und entgrenzt, verlangsamt oder beschleunigt, hält sie an, kehrt sie um – choreographiert.
Hier zeigt sich, was grundlegend unsere Wahrnehmung von Landschaftsräumen bestimmt: sie geschieht stets in Bewegung, die durch die Wegführung, in Handlungs- und Haltungsweisen, in Blick- und Sichtachsen gestaltet ist.
Wie aber bewegt sich der Körper durch den gestalteten Raum der Landschaft und wie nehmen wir diese Bewegung wahr? Wie erfahren wir räumliche Ent- und Begrenzungen der Landschaft und wie verhalten sie sich zu den Grenzen unseres Körpers und unserer Bewegung? Wie wirken Kunst und Tanz auf unsere Wahrnehmung von Bewegung in und durch Landschaftsräume?
Fragen wie diese wollen wir zum 21. jour fixe anhand verschiedener Perspektiven und Positionen von Kunst und Wissenschaft vor dem Hintergrund der Skulpturenlandschaft im Tal diskutieren: Den Auftakt bildet die Eröffnung der Ausstellung der bildenden Künstlerin Nada Sebestýn (Berlin), die im Haus für die Kunst Werke zeigen wird, die die thematische Polarität von Behausung und Reise bzw. Hülle und Bewegung bearbeiten.
Im Anschluss führt der Weg ins Tal, wo am Haus des Hasselbacher Reiters von Claus Bury sowie im Wäldchen des Dreibeiners von Karl Bobek eine zweiteilige Choreographie aus Bewegung und Klang von Junko Wada und Hans Peter Kuhn (Berlin) zu sehen sein wird, die Wahrnehmungen von Landschaftsräumen in Bewegung überträgt und fortführt.
Ausgehend von diesen skulpturalen wie räumlichen Erfahrungen eröffnen wir die Diskussion mit einem Vortrag der Kunstwissenschaftlerin Prof. Dr. Beate Söntgen (Kunstgeschichtliches Institut der Ruhr-Universität Bochum), die über Wahrnehmungsweisen von Innen- und Außenräumen sprechen wird. Ihr Vortrag wird begleitet von den Koreferenten Nicolai Reher und Isa Wortelkamp (Zentrum für Bewegungsforschung, Freie Universität Berlin).
Isa Wortelkamp |