Joachim Bandau | Ohne Titel | 1997
Höhe 54 cm
Länge der Ausläufer | 196 / 300 / 240 / 250 cm
Baustahl ST 37, massiv
Joachim Bandau | Ohne Titel | 1997
Höhe 89 cm
Länge der Ausläufer | 82 / 88 / 91 / 88 cm
Baustahl ST 37, massiv
(siehe unten)

Joachim Bandau plazierte zwei seiner Arbeiten im Norden
des ›Tals‹. Fünf geometrisch geschnittene Elemente aus
massivem Baustahl bilden jeweils eine pyramidale Struktur
aus. Beide Werke sind von geringer Höhe. Mit 89 cm
hat die höhere, mit ihrem kleineren Radius kompakter
wirkende Arbeit nach menschlichem Maß etwa Hüfthöhe.
Die niedrigere, jedoch vom Radius her größere Arbeit
umspielt mit 54 cm die Kniehöhe eines Betrachters.
Ihren Ort haben diese Arbeiten links und rechts des
Weges, der als alter Gemeindeweg Hasselbach und Werkhausen
miteinander verbindet. Das Gelände ist hier offen.
Der schweifende Blick eines Spaziergängers kann die
60 m voneinander entfernt situierten Werke bereits vom
Weg her, und damit aus der Distanz, ausmachen. Näher
heranzutreten, fordert von demjenigen, der dieser nördlichen
Wegführung folgt, zu entscheiden, welcher der
beiden Arbeiten er sich zunächst zuwendet. Der in der
Talsenke liegenden niedrigeren, rechts des Weges, oder
der etwas höheren, kompakteren Pyramidalstruktur links.
Ihr Standort ist der sanft ansteigende Übergang von Talsenke
und Hügelzug. Sich vom Weg her kommend auf
eine Arbeit hinzuorientieren heißt, ihr Pendant aus dem
Blick zu verlieren und sie isoliert zu betrachten. Erst nachdem man ihren
Standort erreicht hat, läßt sich zurückblickend eine Perspektive auf beide
Arbeiten gewinnen.
Ganz anderen Zugang erfährt derjenige, der vom östlichen Hang des
Geländes auf die Wiesen des ›Tals‹ hinunterschaut. Solche Perspektive
kann beide Arbeiten zugleich in den Blick nehmen, ihre Fernwirkung
spielen lassen. Von hier aus scheinen die pyramidalen Strukturen der
Bodenplastiken eingelagert in die sanft ansteigenden Wiesen. Sie tendieren
dazu, in die Form der Landschaft einzugehen. Nichtsdestotrotz
markieren sie deutlich ihre Orte im ausgebreitet vor dem Schauenden
liegenden Gelände.
Mit der Fernwirkung zeigt sich eine phänomenale Ambivalenz der Bodenplastiken:
Sie nehmen Teil an den Formungen der Landschaft und
grenzen sich zugleich aus dieser Landschaft aus. In ihren Dimensionen
nähern sich die Arbeiten dem Boden an. Als pyramidale Strukturen ragen
sie zwar aus der Wiese auf, binden aber diese Vertikalität mit ihren seitlich
ausgreifenden Armen an die Horizontale des Wiesengrundes zurück.
Ihre geometrische Ordnung, die sich dem naturhaften Geländeverlauf
der Wiesen entgegensetzt, verwischt in der Fernsicht. Das rostige Rot-
Braun des Stahls grenzt jedoch auch aus der Ferne die pyramidalen
Strukturen der Bodenplastiken aus dem saftigen Grün der Feuchtwiesen
aus. Eingelagert in die Landschaft zeichnen sie sich von ihr ab und beanspruchen
die Aufmerksamkeit des Schauenden.
Das ›Tal‹ verändert sich mit den Jahreszeiten. Den Ausgangspunkt
hier stiftet ein herbstlicher Blick. Gemähtes
Gras im Sommer, die Farben der jahreszeitlichen Blüten
ebenso wie der Schnee des Winters oder das stumpfe
Ocker abgetauter Wiesen im Frühjahr, schaffen je eigene
Bedingungen. Bemerkenswert ist, daß es sich bei den
assoziierten Bedingungen durchweg um Zustände der
Wiese, also des Bodens unter den Werken ebenso wie
unter den Füßen des Schauenden handelt. Der landschaftliche
Blick perspektiviert sich in der Werkstruktur.
In der Nahsicht, vor den Arbeiten stehend, defi niert ihre
geringe Höhe den werkorientierten Blick als einen abwärts
gerichteten, der immer auch den Erdgrund mitsehen
läßt. Jeder Versuch, die Arbeiten als ein vertikales
Gegenüber zu erfassen, sich ihnen von ihren Seiten her
betrachtend zu nähern, zwingt den Betrachter in die
Hockstellung. Lohn solcher Bemühungen sind zwar aufschlußreiche,
aber rudimentäre Detailerfassungen. Der
Werkkontext erschließt sich im zum Boden gerichteten
Blick auf die Stahlplastiken.
Die Anordnung ihrer je fünf massiven Stahlelemente ist
vergleichbar. Vier radial ausgreifende Werkstücke bilden eine zur Mitte
hin aufsteigende Pyramidalstruktur. Die Basislängen der Radialelemente
variieren. In ihrem Kreuzungspunkt sind sie ineinander verzahnt, horizontal
und vertikal geführte Aussparungen lassen die Teile paßgenau
ineinandergreifen. Ein massiver Hexaeder verschließt, exakt in das Zentrum
der radialen Elemente eingelassen, die Schnittstellen dieses Ineinandergreifens
dem von oben gerichteten Blick. Wie die einzelnen Elemente
miteinander verzahnt sind, läßt sich nur indirekt über die seitlich
sichtbaren Fugen nachvollziehen. Demgegenüber offensichtlich weist
der im Zentrum lastende Hexaeder die Statik der Pyramidalstrukturen
aus.
Das Gewicht der massiven Stahlelemente macht sie für den Betrachter
faktisch unverrückbar. Obwohl gerade die Konstruktion aus einzelnen Elementen
eine Umordnung der Teile zu implizieren vermag, verweigern
sich die Arbeiten auch in ihrer Anschauung einem solchen Zugriff. Paßgenau
ineinandergefügt und zentriert verbinden sich die massiven
Stahlelemente zu einem in sich ruhenden plastischen Werk. Ein Betrachter
kann sich dem Zentrum dieses Werkes annähern, wird aber von dort
über die radial ausgreifenden Arme wieder aus dem Zentrum verwiesen.
Den sich exzentrisch zum Boden neigenden Radialen folgend, wird der
werkkonzentrierte Blick des Betrachters abgelenkt: In den Blick kommt
das offene Wiesengelände des ›Tals‹. Die Nahsicht der Arbeiten gibt Aufschluß
über ihre formale Struktur. Indem man diese jedoch wahrnimmt,
weisen die Bodenplastiken den Blick des Betrachters über ihren Ort hinaus.
Ihre Werkstruktur überführt den Blick des Betrachters in die Landschaft,
aus der er sich, aufmerksam geworden, den Arbeiten annäherte.
Beate Florenz |