Hanspeter Demetz | Haus für August Sander | 1986/89
550 / 550 / 550–250 / 550 / 110 cm
Massivbau, zementgrau verputzt
Aufzeichnungen zum Projekt "Haus für August Sander"
August Sander war Photograph (von gr. phos = Licht und
graphein = zeichnen, schreiben), ein Lichtzeichner also.
Als Erwin W. mir von seinem Projekt ›im Tal‹ erzählte, von
August Sander auch, da sah ich diese Fotografi en wieder
vor mir, die ich Jahre zuvor in einer Illustrierten gesehen
habe, rein zufällig nur und in keinerlei Zusammenhang.
Aber sonderbarerweise hatten sich diese Bilder in meine
Hirnrinde eingebrannt, wie das Licht in eine Fotoplatte:
der feiste Konditormeister, der westfälische Landadelige
mit Dobermann und die "Bauernfotos".
Ich soll etwas für Sander entwerfen, aus 1000 km südlicher
Entfernung zum ›Tal‹, mit der einzigen Hilfe der eingebrannten
Bilder Sanders in meinem Kopf und mit der
telepathischen Verbindung zu Erwin (es geht nicht anders,
aber es funktioniert gut so zwischen uns beiden?).
Ich muß zum Licht kommen.
Licht ist wie Freiheit, man empfi ndet es erst, wenn es nicht
da ist. Ich muß es aussperren, und dann gezielt wieder
durchlassen, so wie die Kamera des Lichtzeichners Sander.
Hat man nicht schon ähnliche Versuche in Schilda angestellt?
Der Gedanke an Sanders Kamera ist stärker, ich will?s versuchen. Setze
einen Würfel in die Landschaft, diese hier verträgt auch Vertikales (von
einem Würfel siehst du jeweils nur zwei Seiten, die sich zudem an jeder
Ecke unverändert wiederholen, – ist ein Würfel eigentlich rund?).
Mach ihn dicht, hermetisch, nur von oben, da laß Licht durch. Dann hebe
den inneren Raum um die Hälfte der Höhe und mache ihn zugänglich
mit einer Treppe, (sie hebt dich aus der Ebene der gewachsenen Umwelt
auf eine neue, künstlich geschaffene). Es soll keine Freitreppe sein,
zwäng sie ein seitlich, nimm ihr das Licht.
Jetzt der Eingang: keine Tür, sie erschließt dir den inneren Raum zu allmählich,
zu diskret. Es muß plötzlich gehen, du mußt hineingestoßen
werden in den Raum, in das Licht, das draußen überall war, aber erst hier
empfunden wird, seine Wertigkeit erhält. Ich skizziere und schicke alles
Erwin. Es hat mich nicht im geringsten gewundert, daß Erwin das Haus
für Sander dann auch wirklich gebaut hat, ? es geht eben nur so.
Hanspeter Demetz |