August Sander | 11 Photografien | um 1920/30
17 / 23 cm | 24 / 17,5 cm | 30 / 22 cm | 15 / 11 cm | 11,5 / 15,5 cm | 21 / 15,5 cm | 21,5 / 29 cm | 15 / 11 cm | 22 / 27,5 cm | 22 / 17,5 cm | 29 / 23 cm
"? wie man Soziologie schreibt ohne zu schreiben?"
Mit diesen Worten beschrieb Alfred Doeblin die Arbeiten
August Sanders in seinem Vorwort zu "Antlitz der Zeit".
Die Dinge so sehen, wie sie sind, nicht wie sie sein könnten,
das war die Aufgabe, die sich Sander selbst gestellt
hatte. All das begann unweit von diesem ›Tal‹ 1892 in
Herdorf und endete in Kuchhausen, nur wenige Kilometer
von Hasselbach und Werkhausen entfernt, Anfang der
60er Jahre.
Sanders Elternhaus in Herdorf steht noch, sein letztes Domizil
in Kuchhausen mußte einem Neubau Platz machen,
der bis heute noch nicht entstanden ist.
Heute steht nun das "Sander-Haus" von Hanspeter Demetz
in dem Landschaftsgarten von Erwin Wortelkamp.
Dieses Haus ist eine Würdigung der Arbeit Sander?s und
zugleich eine der Menschen des Westerwaldes, die zeitlebens
Mittelpunkt von Sanders Leben waren.
Nach einem Besuch von Sander?s Ausstellung im Kölnischen
Kunstverein im Jahre 1927 schrieb der Maler Jankel
Adler die folgenden Zeilen:
"? Den stärksten Eindruck hat die Bauernmappe auf mich gemacht. Diese
Mappe ist wie ein Bauernepos, wie eine mächtige Aussage über ein Geschlecht,
das nach außen verschlossene Ruhe bewahrt und unter der Ober-
fl äche menschliche und teufl ische Tiefen hat. Mir kommen mein Landsmann
Reymond und die Lagerlöf in den Sinn. Die äußere Struktur der
Dinge und auch der Menschen sprechen eine deutliche Sprache; die des
Schicksals. – Die Kamera kann diese Sprache festhalten, (das ist sehr viel)
nicht deuten, die Deutung liegt beim Beschauer, deshalb hielt ich diejenigen
Photographien für am besten, die die stärkste Aussage über das
Stoffl iche machten. Stoff ganz wörtlich genommen wo man Schuss und
Kette noch sah und wenn man von Schuss und Kette bei der menschlichen
Epidermis sprechen kann?"
Wie wichtig die lebenslange Verbindung zu den Menschen im Westerwald
für August Sander war, wird wohl erst in den kommenden Jahren
erforscht werden können – Sander selber hinterließ der Nachwelt einen
unzweifelhaften Beweis. Von seinen zwischen 1910 und 1960 entstandenen
Portrait-Negativen sind ca. 70 % Bauernportraits.
In einem Brief an seine Tochter schrieb August Sander 1947: "Wir müssen
wieder lernen mehr zu schauen und weniger zu reden?"
Gerd Sander |