Götz Stöckmann | Labyrinth | 1992
Grundform: ein gleichseitiges Dreieck
0 / 159–10000 / 10000 / 10000 cm
Eisen – 1/2 IPB 300
"Labyrinth: Irrgang, -garten; Wirrsal, Durcheinander:
Um 1500 aus lat. labyrinthus, gr. labyrinthos entlehnt.
Das Wort ist vorgr. Ursprungs. Es stammt wohl aus dem
kretisch-minoischen Kulturkreis und bedeutet wahrscheinlich
eigtl. "Haus der Doppelaxt" (als Königsinsignie),
zu voridg. labrys "Beil" (für gr. pelekys). So war denn
auch gerade der Sagenkreis des bedeutenden kretischen
Labyrinths, das Dädalus im Auftrag des König Minos
für den sagenhaften Minotaurus erbaut haben soll, für
die Verbreitung des Wortes und seines Ideenkreises
? verantwortlich ?" (Duden, Band 7, Etymologie)
Am Rand des Wortelkampschen Geländes in der Nähe des
kleinen Friedhofs wächst ein junger Wald. In diese aufstrebende
Vegetation aus allerlei Hölzern, Gestrüpp und
Hecken wird das Labyrinth gebaut. Es ist die Grundriss-
fi gur eines gleichseitigen Dreiecks, in welches die labyrinthischen
Wege eingezeichnet sind.
"Wände" und "Wege" dieses Labyrinths sind zwar im
Material unterschieden, bilden aber mit ihrer Oberfl äche
eine Ebene. Eine stählerne Konstruktion aus T-Trägern
(Breite = 30 cm) formt ein dichtes Wegenetz und überspannt
eine fl ache Senke. Aus der Senke wuchert das Grün
in die Zwischenräume (Breite = 30 cm) der Wege. Alljährlich
werden die Pfl anzen auf die Ebene der Wege gestutzt.
So entsteht ein reliefartiges Bild aus Vegetation
und Bauwerk. Ringsumher wächst der Wald in die Höhe
und umschließt das Bild des Labyrinths wie einen lichtungsähnlichen
Raum.
Die Architektur des Labyrinths im ›Tal‹ erinnert an die
Idee des Dädalus und variiert das Bild des Rätselhaften,
Symbolhaften. Im Unterschied zum klassischen Labyrinth
mit nur einem Zugang und einem Zentrum oder dem Irrgarten
mit Wegekreuzungen und Irrwegen hat das Labyrinth
im ›Tal‹ drei Zugänge. In seinem Zentrum kann man umkehren
oder zwischen zwei Möglichkeiten wählen, den Weg fortzusetzen.
Götz Stöckmann |