Kunst als Gegendteil

[…] Das ›Tal‹ ist anders. Es geht hier um das Wirkliche und mehr noch um das, was möglich ist und wäre. Es geht um Eigenes, und vielleicht mehr noch um Fremdes; sicherlich zuerst um Kunst, doch genauso auch um diesen Ort, um seine Gestaltung, um seine Ge- stalt. Das ›Tal‹ ist ortsspezifisch und gewinnt gerade dadurch Mo- dellcharakter. Es begreift sich als ein privater öffentlicher Raum, ein öffentlicher Raum der durch die Kunst allererst gebildet wurde. Die Kunst gestaltet diesen Ort über die Kunst hinaus. […]*

11 Hektar | 49 Kunstwerke | 4 Häuser

11 Hektar

Das Areal im Tal ist keine Parklandschaft, sondern eine naturnahe Kultur- landschaft mit extensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Seit 1986 hat sich hier wieder eine hohe Artenvielfalt an Flora und Fauna entwickelt. In den Feuchtwiesen mit ihren Teichen lassen sich sowohl Frösche und Molche be- obachten, als auch unterschiedliche Libellenarten, wie zum Beispiel die Gro- ße Königslibelle. Die besondere landschaftliche Situation bietet Vögeln wie der Wasseramsel, dem Turmfalken, dem Roten Milan und auch dem Eisvogel günstige Lebensbedingungen. Weiden und Bach begleitende Hochstauden- flure mit Mädesüß und Bittersüßem Nachtschatten folgen dem fischreichen Mehrbach in der Aue. Baumgruppen und Solitäre schaffen Räume in den ökologisch hochwertigen, jährlich nur einmal gemähten Wiesen. Mähwege mit artenreichen Wegsäumen führen an den Weiden der einheimischen Rin- der vorbei. Üppige Waldränder schützen ›die Mihr‹, einen kleinen, bewalde- ten Hügel, der die Kunst geheimnisvoll verbirgt, die sich sonst im Tal offener zeigt.

49 Kunstwerke

Seit 1986 sind etwa 50 Künstler – Landschaftsarchitekten, Bildhauer, Schrift- steller und Musiker – der Einladung des Bildhauers Erwin Wortelkamp ge- folgt, den Landschaftsraum im Tal zwischen Hasselbach und Werkhausen umzugestalten. Dabei nutzen sie die landschaftlichen Gegebenheiten, die geprägt sind von einem Bachlauf, Wiesen, Weiden und bewaldeten Flächen. Zumeist nur gemähte Wege erschließen das mittlerweile 10 Hektar große Gelände, in das die ortsbezogenen vielgestaltigen Kunstwerke integriert wurden. Kunst und Natur suchen hier auf unterschiedliche Weise einen be- hutsamen Dialog. Entstanden ist – in Privatinitiative – eine in Europa einzig- artige Anlage. Um eine Wirkungseinheit von Landschaft und Kunst zu finden, waren auch historische Gartenkünstler eine Orientierung. So zum Beispiel Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823) mit seiner Forderung, dass er (der Gartenkünstler) »alles, was die Natur, sowohl im Innern als auch im Äußern bereits aufgestellt hat, mit der strengen Aufmerksamkeit aussuchen, prü-

fen und erwägen [muss], was er für seine Anlage benutzen und anwenden kann.«

4 Häuser
Haus für die Kunst

folgt in Kürze